Die Ausstellung Wagner Bilder
versammelt Arbeiten aus den Jahren 1992-2016, in denen Monika Rittershaus insgesamt 48 Wagner-Inszenierungen begleitet und fotografiert hat. Durch diese Dichte von Wagner-Erlebnissen konnte die Fotografin über die Jahre ihren Blick auf die Welt Richard Wagners schärfen. Entstanden sind dabei extrem konturierte, messerscharfe Bilder, die jeder Figur Richard Wagners ein eigenes Leben, ein eigenes Profil geben. In den Fotografien von Monika Rittershaus, die zunächst die Dokumentation eines Theaterereignisses sind, zeichnet sich ein ganz eigener Blick, eine ganz eigene Fragestellung ab. Als würde sie, wenn sie zuschaut, immer auch eine Parallelgeschichte erzählen, die nur sie sieht, wie eine erste Zuschauerin, die ihre Version der Geschichte beschreibt und gleich ins Bild setzt. Als würde sie die endlos strömende Flut von Bildern, aus denen ein Theaterabend besteht, immer wieder anhalten, und KLICK - den Rittershaus-Moment festhalten. Durch das bloße Betätigen des Auslösers ihrer Kamera verbindet sie zwanglos Ethik und Ästhetik miteinander. Ihre respektvolle Hingabe an den Augenblick, die sich in jedem ihrer Bilder zeigt, regt zum Nachdenken über ein anderes, verantwortungsvolleres Verhältnis zu uns und unserer Welt an. Die Bilder von Monika Rittershaus wirken oft wie Zeitlupen Aufnahmen. So als wollte sie die Möglichkeiten der Fotografie bis an ihre Grenzen dehnen, um zu zeigen, dass ihre Fotografie mehr kann als den perfekten Augenblick dokumentieren. Fotografie kann eben nicht nur abbilden. Die Fotografie macht sichtbar, was den menschlichen Augen möglicherweise entgeht, dass der Augenblick den die Fotografie zu verewigen sucht, eben viel komplexer ist. Sehen kann man das auf einigen ihrer Bilder in denen die einfache Geste eines Sängers oder einer Sängerin durch den kalkulierten Einsatz von Unschärfen und Verwischungen in seiner vielschichtigen Magie und seinem Geheimnis sichtbar macht. Oft eröffnet Rittershaus auch durch eine ungewöhnliche Fokussierung auf den Rand oder eine Konzentration auf winzige Details eines vermeintlich so stabilen Bühnengeschehens die Sichtbarkeit bis hin zum kaum Sichtbaren oder beinahe Unsichtbaren. Plötzlich wird so etwas wie die Stille der Fotografie sichtbar. Roland Barthes schreibt einmal in seinem grossen Buch über die Fotografie „Die helle Kammer“: „Die Photographie muss still sein (es gibt dröhnende Photos, ich mag sie nicht): das ist keine Frage der „Diskretion“, sondern der Musik. Die absolute Subjektivität erreicht man nur in einem Zustand der der Stille, dem Bemühen um Stille. Das Photo rührt mich an, wenn ich es aus seinem üblichen Blabla entferne: „Technik“, „Realität“, „ Reportage“, „Kunst“ und so weiter: nicht sagen, die Augen schliessen, das Detail von allein ins affektive Bewusstsein aufsteigen lassen.“

Autor des Textes: Sascha Gebauer

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